
Wärme kostet mehr als nur den Brennstoff:
Erst Vollkostenvergleich zeigt den Preis fürs Heizen
Mobilität hat ihren Preis, was Autofahrer nicht nur beim Bezahlen an der Tankstelle spüren. Dass ein Fahrzeug neben den Benzinkosten auch Anschaffungs- und Wartungskosten verursacht, muss wohl keinem Verbraucher erklärt werden. Verdrängt wird diese Erkenntnis allerdings erstaunlich häufig, wenn es um einen weiteren Bereich des privaten Energieverbrauchs geht: Das Heizen in den eigenen vier Wänden kostet natürlich auch mehr als das, was unmittelbar für den jeweiligen Brennstoff ausgegeben wird. Die Investitionen in Anlagenkauf und Installation, in Brennstofflagerung, Gerätewartung und eventuelle Reparaturen müssen hier gleichermaßen in eine seriöse Kalkulation einfließen. Dass dies oft vernachlässigt wird, hängt möglicherweise mit der Wärmeversorgung in den Großstädten und Ballungsräumen zusammen: Hier kommt die Heizenergie meistens aus dem allgemeinen Gasverteilungsnetz. Zumindest über regelmäßige Bestellung und Bevorratung des Brennstoffs müssen sich die Hausbesitzer keine Gedanken machen.Ganz anders sieht es überall dort aus, wo kein Anschluss an die zentrale Gasnetz-Versorgung besteht. Bauherren haben in diesen Regionen mittlerweile die Auswahl aus mehreren Energie- und Anlagenkonzepten für Raumwärme und Warmwasserbereitung. Für einen Vergleich dieser Optionen müssen ebenso wie beim Auto die so genannten Vollkosten berücksichtigt werden – also die kapitalgebundenen Kosten für die Finanzierung der Gebäudetechnik, die betriebsgebundenen Kosten, z. B. für Wartung und Reparaturen, natürlich die Verbrauchskosten für den Brennstoff sowie gegebenenfalls weitere Sonderausgaben, die das jeweilige Wärmekonzept erfordert. Zur Ermittlung dieser Vollkosten gibt es die anerkannte Richtlinie VDI 2067, die der Verein Deutscher Ingenieure herausgegeben hat. Auf der Basis dieser Berechnungsgrundlage zeigt sich, dass auch außerhalb der Gasnetze der Wärmekomfort eines Hauses am preiswertesten mit dem Energieträger Gas erzeugt wird: Das leitungsunabhängige Flüssiggas ermöglicht dort nicht nur die Nutzung zeitgemäßer Gasheiztechnik, es gewährleistet in vielen Fällen auch die vergleichsweise geringsten jährlichen Gesamtkosten.Ein Beispiel aus der Praxis: Der Neubau eines freistehenden Einfamilienhauses mit 150 m2 Wohnfläche und einem Jahreswärmebedarf von etwas über 15.000 kW ist in Planung. Als mögliche Energiekonzepte werden ein Heizöl- bzw. ein Flüssiggas-Brennwertkessel, eine strombetriebene Sole/Wasser-Wärmepumpe sowie eine Pellet-Holzfeuerung miteinander verglichen, jeweils mit beistehendem indirekt beheiztem Speicher für die Warmwasserbereitung. Das Ergebnis nach VDI 2067: Wenn die Gesamtkosten pro Jahr für Flüssiggas mit 100 Prozent gesetzt werden, dann kommt Heizöl auf 111 Prozent, die Wärmepumpe erfordert 117 Prozent und für das Heizen mit dem Pelletkessel belaufen sich die Vollkosten auf 135 Prozent. Auch bei der Teilsanierung eines Altbaus schneidet Flüssiggas unter Kostenaspekten am günstigsten ab: Wird in einem älteren Gebäude mit einem Jahreswärmebedarf von rund 26.000 kW die Anlage für Heizung und Warmwasserbereitung erneuert, dann ergibt sich nach dem Berechnungsmodell für die verschiedenen Energieträger folgende Kostenverteilung: Flüssiggas 100, Heizöl 105, strombetriebene Wärmepumpe 112 und Pellet-Heizung 118 Prozent. Es lohnt sich also, zu vergleichen und nachzurechnen. Immerhin bestimmen die Vollkosten für Wärme einen Großteil der Wohnnebenkosten.
Grafik: Supress (No. 3936)Juni 2008
