Rückblick

FlüssigGas Forum 2026

Drei Tage voller Austausch und fachlicher Impulse: Das FlüssigGas Forum 2026 in Münster zeigte, welche Rolle erneuerbare Flüssiggase für eine technologieoffene, bezahlbare und praxistaugliche Wärmewende spielen können.

Das FlüssigGas Forum 2026 fand vom 9. bis 11. Juni in Münster statt und brachte die deutsche Flüssiggas-Wirtschaft zusammen – mit mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, 25 nationalen und internationalen Ausstellern sowie hochkarätigen Referentinnen und Referenten.

Fachvorträge und Podiumsdiskussionen beleuchteten die neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen für den Wärmemarkt, die Zertifizierung von Flüssiggasversorgern mit Blick auf biogenes Flüssiggas im Emissionshandel sowie das Potenzial von erneuerbarem Dimethylether (rDME) für den Flüssiggasmarkt.

Grüne Moleküle in der Energiewende

Dr. Johanna Reichenbach von Frontier Economics machte deutlich: Die Energiewende kann nur aus wirtschaftlicher Stärke heraus und technologieoffen gelingen. Grüne Moleküle spielen dabei langfristig eine wichtige Rolle im Energiemix. Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur sowie Vorteile bei Transport, Speicherung und Verteilung können sie dazu beitragen, die Systemkosten der Transformation zu senken.

Was bedeutet das GModG für die Wärmewende?

Dr.-Ing. Ann-Kathrin Klaas vom EWI Köln zeigte, welche Bedeutung das Gebäudemodernisierungsgesetz für die Wärmewende hat. Öl- und Gasheizungen werden auch 2045 einen relevanten Anteil im Gebäudebestand haben – je nach Szenario zwischen 26 und 46 Prozent. Erneuerbares Flüssiggas sieht sie als Nischenlösung mit Zukunftsfähigkeit, insbesondere dort, wo keine leitungsgebundenen Heizoptionen verfügbar sind oder ein Rückbau von Erdgasnetzen dezentrale Lösungen erfordert.

Zertifizierung von Flüssiggasversorgern: biogenes Flüssiggas im Emissionshandel

Felix Lang von REDcert erläuterte, wie Zertifizierung und Emissionshandel bei biogenem Flüssiggas zusammenhängen. Seine zentrale Botschaft: RED III und EU ETS sind formal getrennt, aber funktional verbunden. Damit biogenes Flüssiggas im Emissionshandel mit reduziertem Emissionsfaktor anerkannt werden kann, müssen die Nachhaltigkeitskriterien der RED III erfüllt und entlang der Lieferkette transparent dokumentiert werden – von der Massenbilanzierung bis zu den Nachhaltigkeitsnachweisen.

Erneuerbarer DME im Flüssiggassektor – von der Forschung in die Anwendung

Janina Senner vom Gas- und Wärme-Institut Essen zeigte, welches Potenzial erneuerbarer Dimethylether (rDME) für den Flüssiggasmarkt haben kann. rDME bietet langfristig eine attraktive Kosten- und Skalierungsperspektive. Ein erfolgreicher Markthochlauf erfordert Anpassungen an Infrastruktur, Geräten und Normung. Dafür schafft das gemeinsame Forschungsvorhaben von Flüssiggas Verband und DVGW die technischen Grundlagen – von Spezifikation und Lagerung über Komponenten und Geräte bis hin zu Zertifizierung und Regelwerksentwicklung.

Aktuelle Entwicklungen im Flüssiggasmarkt bei ausgewählten europäischen Nachbarn – Chancen und Herausforderungen

Jobst Diercks (FlüssigGas Verband) verglich die Flüssiggasmärkte in Frankreich, UK, Polen und Italien. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich sich zentrale Segmente wie private Haushalte, Industrie, Landwirtschaft und Autogas entwickeln – geprägt von Regulierung, „All Electric“-Bestrebungen, Klimaschutz, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit. Sein Fazit: Deutschland ist kein Sonderfall – in ganz Europa braucht es pragmatische Lösungen für den Gebäudebestand und die Wärmeversorgung abseits von Netzen.

Autogasfahrzeuge von Dacia

Andreas Lübeck von Dacia gab Einblicke in die strategische Bedeutung von Autogas für die Marke. Er zeigte, dass Autogas-Antriebe für Dacia ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind und auch künftig eine zentrale Rolle im Produktportfolio spielen. Autogas verbindet bezahlbare Mobilität mit niedrigeren Emissionen und bleibt damit eine relevante Option für viele Kundinnen und Kunden. Zugleich entwickelt Dacia sein Angebot weiter – unter anderem mit neuen Modellen, die auch als Autogas-Variante verfügbar sein werden.

Fachausstellung

Sicher. Smart. Self-Service: Innovationen aus der Flüssiggaswirtschaft

Die Fachausstellung beim FlüssigGas Forum 2026 zeigte die Innovationskraft der Branche: 25 Aussteller aus sechs Ländern präsentierten in Münster zukunftsweisende Produkte und Dienstleistungen – von modernen Tankwagen und smarten Monitoring-Lösungen bis hin zu Gasflaschen-Tauschautomaten für eine 24/7-Versorgung.

Zu den weiteren Highlights zählten digitale Abfüllanlagen für Gasflaschen, Composite-Flüssiggasflaschen, Neuheiten bei Behälterarmaturen, Druckreglern, Sicherheitsventilen und Adaptern sowie Betankungstechnik und Zapfsäulen für Autogas. Ergänzt wurde das Spektrum durch Dienstleistungen rund um Nachhaltigkeitszertifizierung – ein wichtiges Thema für den Einsatz erneuerbarer Flüssiggase.

v.l.n.r. Fritz Gößwein, Markus Dreier, Wilbert Bosch

Jahresversammlung: Vorstandswahlen

Erfahrung und neue Perspektiven für die Wärmewende mit grünen Molekülen

Der Flüssiggas Verband hat Wilbert Bosch (Westfalen AG) und Markus Dreier (PROGAS GmbH) neu in den Vorstand gewählt. Gleichzeitig wurde Fritz Gößwein (Gößwein Gas GmbH) auf der Mitgliederversammlung für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.

Unser herzlicher Dank gilt Dr. Ines Knauber-Daubenbüchel (Knauber Gas GmbH & Co. KG). Mit großem Engagement hat sie die Arbeit des Vorstands über viele Jahre geprägt, den Technikbereich des Verbandes maßgeblich weiterentwickelt und die Transformation hin zu erneuerbaren Flüssiggasen entscheidend vorangebracht.

Der Vorstand besteht jetzt aus:  Jobst Dietrich Diercks (Vorsitzender); Rainer Scharr, Friedrich Scharr KG (erster stellvertretender Vorsitzender); Wilbert Bosch Westfalen AG; Markus Dreier, PROGAS GmbH; Fritz Gößwein, Gößwein-Gas GmbH; Christian Maier, Tyczka Energy GmbH.

FlüssigGas Forum 2027

Die Highlight-Veranstaltung der deutschen Flüssiggas-Wirtschaft.

Das FlüssigGas Forum findet 2027 vom 29. bis 30. September in Berlin statt.